Kennst du das? Du tust oder sagst etwas und dein Gegenüber tickt vollkommen aus? Dein Gegenüber reagiert beleidigt und du hast keine Ahnung warum? Er macht Dinge, die für dich umbegreiflich sind oder dich sogar verletzen? Oder du fühlst dich angegriffen, weil er oder sie dir zu Unrecht Sachen an den Kopf wirft?
Ich behaupte mal, Streit beruht in den meisten, wenn nicht sogar allen diesen Fälle auf einem Missverständnis.
Dabei wäre es so einfach, einen derartigen Streit zu verhindern oder zumindest zu klären bevor er eskaliert. Um das zu können ist emphatisches Gespür notwendig, was im Grunde jeder schnell erlernen kann, wenn er dazu bereit ist.

Die Kunst besteht darin: Weg vom eigenen Standpunkt und hin zum Standpunkt des Gegenübers. Wie das geht? Als erstes musst du wissen, jeder Mensch ist anders. Jeder Mensch denkt anders, fühlt anders, hat andere Bedürfnisse, Sehnsüchte und Prioritäten. Dies führt dazu, dass er auch das Geschehen oder Gesagte anders wahrnimmt und interpretiert als du. Um zu begreifen, warum dein Gegenüber so ganz anders reagiert wie du, versetzt du dich mal wohlwollend in seine Lage und versuchst dich in ihn einzudenken. Wie könnte er das Ganze wahrgenommen haben? Welche seiner persönlichen Bedürfnisse, Sorgen oder Ängste könnten in diesem Punkt getroffen worden sein? Wie denkt er wohl darüber, was könnten seine Beweggründe sein, nach welchen er handelt und reagiert? Sei dir sicher, dass er es nicht böse meint, sondern nur seinen eben aufgerüttelten Bedürfnissen nach reagiert um diese wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Wenn du ergründet hast, was seine Beweggründe sein könnten, frage dein Gegenüber, ob er/sie tatsächlich so fühlt. Du bist kein Hellseher und auch kein ausgebildeter Therapeut, deshalb ist es gut möglich, dass du dich irrst. Dann lass es dir von ihm erklären wie er das fühlt und sieht. Akzeptiere seine Gefühle und Ansichten, ohne in sofortige Verteidigung über zu gehen. Dadurch gelingt es dir, ihn zu verstehen. Sag ihm, dass du ihn verstehst. Und vielleicht sagst du ihm auch ganz ruhig, was in dir vorging, was deine Empfindungen und Sorgen beim Streit waren. Aber erwarte nicht, dass er auch dich versteht, denn er weiß vielleicht nicht um die Fähigkeit des in den anderen hineinversetzens.
Emphatie ist ein Lernprozess. Mit der Zeit wirst du Antennen und ein besseres Gespür entwickeln um sich in dein Gegenüber richtig einzufühlen. Weil du dann auch langsam erkennst, wie dein Gegenüber tickt, was ihn alles bewegt und beschäftigt. Mit dieser Fähigkeit bist du anderen weit voraus und du wirst feststellen, dass du ausgeglichener sein wirst und dich keiner mehr so leicht auf die Palme bringen wird – weil du verstehst, was der andere fühlt und mit welchen Problemen er im Grunde zu kämpfen hat.
Zu verstehen bedeutet aber nicht, dich der Meinung des anderen anzuschließen. Denn dann würdest du nicht nach deinem eigenem Wesen handeln. Es reicht, den anderen zu verstehen, nämlich auf seine Art und Weise.

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